01.04.2020 - Fernprüfungen (Online-Proctored Exams): Grundlagen, Einsatzszenarien und bisherige Erfahrungen an der TU München mit Dr. Matthias Baume

Inhalt:

Online-beaufsichtigte Prüfungen (Proctored Exams, Online Proctoring) erfahren seit Jahren einen deutlichen Aufschwung in Unternehmen und Bildungseinrichtungen allgemein und auch im Hochschulkontext. Während unter Online-Prüfungen in erster Linie die immer noch ortsgebundene Klausur im PC-Saal verstanden wird, eröffnen Online-beaufsichtigte Prüfungen weitere Spielräume für andere Zielgruppen.

Diese sind vielfältig: Das Streben der Hochschulen nach Internationalisierung und internationaler Bereitstellung von Lerninhalten führt gleichzeitig zur Notwendigkeit, Prüfungen für international verteilte Lerner anzubieten.

Darüber hinaus ermöglichen Prüfungen von zu Hause oder von irgendeinem anderen Ort der Welt aus gerade im Fernstudium oder in Blended Learning Arrangements eine Flexibilisierung und Individualisierung des Prüfens und schaffen für den Einzelnen häufig ein vertrautes Umfeld, verglichen mit den starren Rahmenbedingungen einer Hörsaal-Prüfung.

Jedoch liegen in der deutschen Hochschullandschaft im relativ neuen Themenfeld „Online Proctoring“ in vielerlei Hinsicht bisher nur geringe Erfahrungen vor: Neben technischen Anforderungen und der Bewerkstelligung von sicherheitskritischen Aspekten der Datenübermittlung und -Speicherung ergeben sich ergänzend Fragen nach dem Datenschutz, der Finanzierung oder auch einem passenden rechtssicheren Prüfungsablauf. Auch das Verhindern von Betrug außerhalb des relativ einfach zu überprüfenden Hörsaals erfordert neuartige, meist technische Lösungen.

Die Präsentation im Webinar stellt zunächst wichtige Grundlagen und Eigenschaften von Online Proctoring vor. Anschließend werden Vor- und Nachteile sowie mögliche Zielgruppen von Fernprüfungslösungen präsentiert und erläutert. Den Schwerpunkt der Präsentation bilden schließlich grundlegende Szenarien und praktische Einsatzmöglichkeiten für Online Proctored Exams sowie ein Überblick des konkreten Ablaufs einer Fernprüfung an der Hochschule. Dabei werden auch die vorhandenen prüfungs- und datenschutzrechtlichen Rahmenbedingungen zur Sprache gebracht.

Zum Abschluss liefert die Präsentation einen kurzen Überblick der bisherigen Erfahrungen im Piloteinsatz an der TUM anhand verschiedener, bereits durchgeführter Prüfungsszenarien.

Nach der Präsentation bietet sich Raum für Fragen und kritische Diskussion zum Thema.

Referent:

Dr. Baume forscht und lehrt seit mehr als 15 Jahren im Bereich des computergestützten Lehrens und Lernens. Nach dem Studium der Pädagogik, Psychologie und Biologie, einer Weiterbildung zum Multimedia-Projektmanager und praktischer Arbeit in einem Designstudio, erwarb er den Master-Abschluss in Multimediadidaktik an der Universität Erlangen-Nürnberg.

Anschließend war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik der TU München beschäftigt, entwickelte dort Lernmodule, Online-Konzepte und Management-Simulationen und promovierte zum Thema "Computerunterstützte Planspiele für das Informationsmanagement". Nach dem internen Wechsel ins Medienzentrum war er für die Entwicklung, den Rollout und den Betrieb des zentralen Lernmanagementsystems Moodle der TUM verantwortlich.

Seit Herbst 2018 arbeitet Dr. Baume in der Abteilung "ProLehre" im Rahmen des Projektes "Fernprüfungen" an der Konzeption, Pilotierung und Evaluation von online-beaufsichtigten Prüfungen (Online-Proctored Exams).

18.05.2020 - Vorbild Südkorea? Wenn Bildung mehr ist als Digitalisierung mit Lisa Messenzehl, Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften

Inhalt:

Aktuell versuchen sich viele Länder von Südkorea abzuschauen, wie man die Infektionszahlen von Covid-19 wieder in den Griff bekommen kann. Aber auch sonst hat Korea eine Vorreiterrolle wenn es um Digitalisierung und High Tech geht, zumindest im asiatischen Raum. Online-Hochschulen und Open Education sind schon lange weit verbreitet. Während die politischen Rahmenbedingungen den Boom vom digitalen Lernen begünstigt haben, stellen sich dem Bildungssystem auch einige Herausforderungen, etwa die Erwartung der Gesellschaft an Bildungsinstitutionen und deren Abschlüsse. Im Webinar porträtiert die Referentin die digitale Hochschulbildung Koreas und diskutiert mit den Teilnehmenden, was wir aus Asien für das Fernstudium und unsere Arbeit an Bildungsinstitutionen im deutschsprachigen Raum lernen können.

Nach der Präsentation bietet sich Raum für Fragen und kritische Diskussion zum Thema.

Referentin:

Lisa Messenzehl leitet die Fachgruppe Blended Learning im Rektorat der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, an der sie seit 5 Jahren tätig ist. 2019 verbrachte sie elf Monate im Rahmen eines Sabbaticals in Seoul, Südkorea. Dort beschäftigte sie sich mit der digitalen Bildungslandschaft und sprach mit Expertinnen und Experten über die Rolle und Zukunft von Hochschulen. Lisa Messenzehl studierte Diplom-Politikwissenschaften an der Universität Augsburg und schloss 2014 den Masterstudiengang Bildungsmanagement an der PH Ludwigsburg ab. Seit 10 Jahren lebt und arbeitet sie in der Schweiz.

22.10.2020 - Onlife Learning Spaces. Oder: Wo lernen Studierende eigentlich? mit Dr. Katja Ninnemann, SRH Higher Education / Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin

 

Inhalt:

Wo und wie lernen Fernstudierende? Und: Wie unterscheiden sie sich dabei etwa von Studierenden in berufsbegleitenden Präsenzprogrammen? Mit der Zusammenführung physischer und virtueller Lernumgebungen an Hochschulen gehen grundlegende Veränderungen bei der Verortung von Lehr- und Lernprozessen einher. Insbesondere auch vor dem Hintergrund der aktuellen Erfahrungen in der Covid-19-Pandemie stellt sich die Frage, ob sich damit die räumlichen Grenzen zwischen Präsenzstudiengängen und Fernstudienangeboten auflösen und so grundlegende Veränderungen in der Organisation und Gestaltung von Lernorten einhergehen, bis hin zu baulichen Infrastrukturen an Hochschulen.

Mit dem Forschungsprojekt "Onlife Learning Spaces - Neukodierung von Lernen und Raum" werden - aus der Perspektive von Fernstudierenden - etablierte Gestaltungspraktiken bereits aktivierter hybrider Lernumgebungen untersucht. Außerhalb der Hochschulorganisation und der damit einhergehenden räumlichen Möglichkeiten und sozialen Erwartungen entwickeln Fernstudierende ganz eigene Konzepte zur Aktivierung von physischen Orten als Lernumgebungen. Mit dieser Vorgehensweise können - unabhängig von institutionellen Bedingungen und Einflüssen - grundlegende Bedürfnisse von Onlife Students, Studierende in zeit- und ortsunabhängigen Studiengängen, identifiziert werden.

Im Rahmen einer qualitativen Vorstudie wurden in 2019 erste Erkenntnisse zur Auswahl und Nutzung differenzierter Lernorte von Fernstudierenden gewonnen. Bei einer darauf aufbauenden Befragung konnten mit dem Einsatz von Mental Maps qualitative Daten zu subjektiven Raumwahrnehmungen aufgenommen und Hypothesen zu Gestaltungspraktiken abgeleitet werden. Auf dieser Grundlage wurde eine quantitative Online-Befragung entwickelt und Anfang 2020 die Hauptuntersuchung durchgeführt, bei welcher Fernstudierende sowie Studierende in berufsbegleitenden Präsenzstudienprogrammen befragt wurden.  Mit dem Beitrag werden Ergebnisse und Erkenntnisse des Forschungsprojektes zur Auswahl und Aneignung von Lernumgebungen von Onlife Students sowie daraus abzuleitende Handlungsstrategien vorgestellt und diskutiert.

Nach der Präsentation bietet sich Raum für Fragen und kritische Diskussion zum Thema.

Referentin:

Dr. Katja Ninnemann ist Expertin für Gestaltungspraktiken und Gestaltungsprozesse von hybriden Lern- und Arbeitsumgebungen und übernimmt im Oktober 2020 die Professur Digitalisierung und Workspace Management an der HTW Berlin. Das Forschungsprojekt "Onlife Learning Spaces - Neukodierung von Lernen und Raum" (2019-2020) führte sie im Rahmen ihrer Tätigkeit an der SRH Higher Education sowie mit der Gastprofessur Corporate Learning Architecture an der Technischen Universität Berlin durch.

Das Webinar wird aufgezeichnet. Die Aufzeichnung wird nach der Veranstaltung auf der Website der DGWF zur Verfügung gestellt.

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